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MuD Tierschutz

Tierschutzkompetenz

Tierschutzkompetenz – tierwohlorientierte Handlungskompetenz in der beruflichen Ausbildung

Entwicklung tierwohlorientierter Handlungskompetenz zur Gewährleistung von Tierschutz – Lehr- und Lernkonzepte zur beruflichen Aus- und Weiterbildung

Projektstart: 01.11.2021
Laufzeit: 36 Monate

Das LBZ Echem startete am1. November 2021 gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Tierwohl des Thünen-Instituts (TI) für Ökologischen Landbau und dem Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung (IfBE) der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover das dreijährige Projekt "Tierwohl vermitteln ("Tierschutzkompetenz"). Es dient der Entwicklung einer individuellen tierwohlorientierten Handlungskompetenz zur Gewährleistung von Tierschutz. Im Rahmen des Projektes sollen hierfür neue Lehr- und Lernkonzepte für die berufliche Aus- und Weiterbildung entwickelt werden.

Projektziel

Ziel des geplanten Projektes ist es, Konzepte, Werkzeuge und Lehr-, Lern- sowie Schulungsmaterialien zur Erhebung von tierbezogenen Indikatoren für Tierwohl zu entwickeln, die sich als valide, reliabel und praktikabel erwiesen haben. Unter den Bedingungen der zunehmend technisierten und digitalisierten Arbeit in der landwirtschaftlichen Tierhaltung und der damit einhergehenden Distanzierung vom Tier sollen die Auszubildenden so stärker für das Thema sensibilisiert werden und damit eine Handlungskompetenz entwickeln. Eine hohe Tierwohlkompetenz erfordert sowohl Wissen über das jeweilige Tier und seine Bedürfnisse, als auch Fähigkeiten im Umgang mit den Tieren sowie eine empathische Einstellung ihnen gegenüber. Dies ist gerade vor dem Hintergrund der Bedeutungszunahme von Prozessqualität und Tierschutz in der Nutztierhaltung von Relevanz. Dabei sind insbesondere die Diagnosefähigkeiten gegenüber dem Tier zentral. Entscheidend ist die Fähigkeit zum selbstreflexiven und verantwortungsvollen Handeln im Spannungsfeld von wirtschaftlicher Betriebsführung, (digitalisierter) Technik und Tierwohl.

Es sollen innovative Lehr-Lernkonzepte entwickelt werden, die den Lernenden ein klares Verständnis von Tierwohl ermöglichen, ihr Wissen über natürliches Verhalten von Rindern und Schweinen und den daraus entstehenden Bedürfnissen vertiefen, ihre Fähigkeiten zur Tierbeobachtung und Problemerkennung ausbauen und ihr Interesse und ihre Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex wecken, um den Erwerb einer Tierwohlkompetenz zu ermöglichen.

Die Schlüsselrolle für eine Sensibilisierung für Tierwohl als relevanter Faktor der Prozessqualität in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung liegt in der Ausbildung zukünftiger Tierhalterinnen und Tierhalter.

Zielgruppen

  1. Auszubildende im Ausbildungsberuf zur Landwirtin, Landwirt oder Tierwirtin und Tierwirt
  2. Ausbildende der Ausbildungsbetriebe
  3. Absolvierende der Meisterkurse Landwirtin bzw. Landwirt / Tierwirtin bzw. Tierwirt
  4. Studierdend der Landwirtschaft im Praktikum

Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner

  • Landwirtschaftliches Bildungszentrum in Echem (LBZ)
  • Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung (IfBE) der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
  • Arbeitsgruppe Tierwohl des Thünen-Instituts (TI) für Ökologischen Landbau

Das LBZ koordiniert dabei zum einen die einzelnen Arbeiten der Projektpartner*innen und verantwortet den projektinternen Informationsaustausch, die Projekttreffen, sowie das Berichtswesen an den Fördermittelgeber.

Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse der Projektparterinnen und -partner TI und IfBE entwickelt das Team des LBZ Echem jeweils drei Lehr-Lernkonzepte in vier zielgruppenspezifischen Modulen für die Rinder- und Schweinehaltung mit entsprechenden Lehrmaterialien.

Um Praxiseinheiten durchführen zu können, sollen zwei Tiertransportanhänger (jeweils für Rinder und Schweine) konzipiert und erstellt werden. Diese sollen so konstruiert sein, dass im Rahmen der Übung unterschiedliche Szenarien erprobt werden können, z.B. unterschiedliche Beleuchtung, Rampenneigung und Witterungsschutz. So kann die in der Praxis häufig mit Stress verbundene Treibe- und Verladesituation in der Simulation praktisch geübt werden. Dabei sollen die Lehrgangsteilnehmenden vor allem für die zahlreichen Möglichkeiten der Stressminderung sensibilisiert werden.

Neben den Lehr-Lernkonzepten die den bundesweiten Überbetrieblichen Ausbildungsstätten zur Verfügung gestellt werden, sollen mediale, die unterschiedlichen Wahrnehmungskanäle unterstützende Lehrmittel entstehen, die den Erwerb im Nachgang festigen sollen. Denkbar wären hier E-Learning Formate, Video-Tutorials, Podcasts und Apps.

Hintergrund

Seit 2002 ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert (Art. 20a GG). Darüber hinaus stehen neben dem Tierschutzgesetz eine breite Palette an bundes- und landesweit geltenden Tierschutzverordnungen und Leitlinien für den Tierschutz zur Verfügung.

Verschiedene Methoden und Werkzeuge zur Erfassung des Tierwohls in Praxisbetrieben und zur Überprüfung der Haltungsbedingungen anhand tier- und ressourcenbezogener Indikatoren stehen zur Verfügung und wurden bereits auf Praxistauglichkeit geprüft. Ein Beispiel eines solchen Indikatorensets sind die „Tierschutzindikatoren: Leitfäden für die Praxis – Rind, Schwein und Geflügel“ (Hrsg. KTBL, 1. Auflage 2016, 2., aktualisierte Auflage 2020).

Die Praxisforschung zeigt jedoch seit Jahren, dass die Tierwohllage in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung nicht zufriedenstellend ist und viele Betriebe Optimierungs- und Handlungsbedarf aufweisen. Tierhaltende schätzen häufig die Tiergesundheits- und Tierwohlsituation im eigenen Betrieb nicht korrekt ein (Stichwort „Betriebsblindheit“) und unterschätzen beispielweise das Auftreten von Lahmheiten oder sonstigen Produktionskrankheiten. Auch können über eine proaktive und regelmäßige Erhebung von Tierwohlindikatoren im eigenen Betrieb und das genaue Beobachten der Tiere die Empathie für das anvertraute Tier gefördert werden. Diese Bewusstseinsbildung findet bisher in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung nur unzureichend statt.

Die Begrifflichkeiten „Tierwohl, Tiergerechtheit und Tierschutz“ werden nachfolgend definiert und im Projekt „Tierwohl vermitteln (Tierschutzkompetenz)“ so verwendet:

  • Der Begriff „Tierwohl“ beschreibt den Zustand eines Tieres im Hinblick auf seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen. Unter Tierwohl als deutschsprachige Entsprechung des englischsprachigen „animal welfare“ wird ein multidimensionales Konzept verstanden, wobei die verschiedenen Aspekte von Tierwohl drei übergeordneten Dimensionen zugeordnet werden können: der Tiergesundheit (basic health and functioning), Natürlichkeit bzw. die Ausführung natürlicher Verhaltensweisen (natural living) und dem Befinden (affective states) (Fraser et al., 1997, S. 187-205; Fraser, 2008).
  • „Tiergerechtheit“ hingegen fokussiert auf den Zustand eines Haltungssystems und beschreibt, „in welchem Maß ein Haltungssystem dem Tier die Voraussetzungen zur Vermeidung von Schmerzen, Leiden und Schäden sowie zur Sicherung von Wohlbefinden bietet“ (Knierim, 2002).
  • „Tierschutz“ wiederum bezeichnet alle menschlichen Aktivitäten, die darauf abzielen, ein bestimmtes Tierwohlniveau zu erreichen oder zu sichern. Dazu zählen auch, aber nicht nur ordnungsrechtliche Maßnahmen (Knierim, 2016). Die beiden Begriffe Tierschutz und Tierwohl geben unterschiedliche Perspektiven auf ein und dasselbe Phänomen wieder (ebd.).
     

Projektnehmende: Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Landwirtschaftliches Bildungszentrum Echem)
Projektpartner: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung (IfBE), Johann Heinrich von Thünen-Institut (TI) – Institut für Ökologischen Landbau.

Kontakt

Frau Martina Weber

Landwirtschaftskammer Niedersachsen - LBZ Echem
Zur Bleeke 6
21379 Echem

Telefon: 04139 698-111
E-Mail: Martina.Weber@lwk-niedersachsen.de

Nicole Hengel
Koordination Projekt Tierschutzkompetenz
Telefon: 04139 698-121
Telefax: 04139 698-100
E-Mail: nicole.hengel@lwk-niedersachsen.de