Springe zum Hauptinhalt der Seite

Wiederkäuer

Tiergesundheit

Ergebnisse zur Tiergesundheit

Auf den Modell- und Demonstrationsbetrieben des Themennetzwerks zur optimierten Kälberhaltungkonnte festgestellt werden, dass das gegenseitige Besaugen in den Hintergrund tritt, wenn der allgemeine Gesundheitszustand der Kälber durch eine grundlegende Veränderung der Haltung verbessert wird. Dazu zählen nicht nur die Maßnahmen zur Fütterungsoptimierung und Haltungsanreicherung, sondern auch die Maßnahmen zur Förderung der Tiergesundheit.

Da das gegenseitige Besaugen ein multifaktorielles Phänomen ist, tritt es hauptsächlich dann auf, wenn das angeborene Saugverhalten nicht vollständig ausgeführt werden kann. In aktuellen Fütterungsempfehlungen scheint dieses Bedürfnis bei zweimal täglicher Fütterung nicht berücksichtigt zu werden. Aber auch Stress, Langeweile, ein unzureichendes Platzangebot, eine Unterversorgung durch eine zu geringe Gabe an Vollmilch oder Milchaustauscher und ein Mineralstoffmangel können Auslöser sein. Als eine Haupterkenntnis des Themennetzwerks in den MuD Tierschutz wurde festgestellt, dass durch die gezielte Optimierung von betriebsindividuellen Schwachstellen die Tiergesundheit auf allen fünf Betrieben verbessert und dabei gegenseitiges Besaugen minimiert werden konnte. Allen beteiligten Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern wurde bewusst, dass der Fokus mehr auf dem Kalb liegen muss, da dessen gesunde Entwicklung wegweisend für ein gesundes und langes Kuhleben ist.

Ein Ergebnis aus der gemeinsamen Arbeit im Netzwerk ist die Gabe eines so genannten "Kälberstarters" zu sehen, der vor allem Selen, Eisen und ein Prebiotikum zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und zur Stabilisierung der Darmflora neugeborener Kälber enthält und direkt ins Maul der Kälber appliziert wird. Eingesetzt wird er in den Betrieben A, B, D und E; im Betrieb C erfolgt nach der Geburt des Kalbes eine Eisengabe. Für die Entwicklung der Kälber ist Eisen von hoher Bedeutung, da es für die Blutbildung und den Sauerstofftransport im Blut entscheidend ist. Die Tierhalterinnen und Tierhalter des Netzwerks sind von der Maßnahme überzeugt, da es keine Probleme mehr mit Durchfall gab und die Kälber sehr vital sind.

Der Ansatz im Betrieb D, möglichen Mangelerscheinungen bei Kälbern schon vor der Geburt vorzubeugen, bezieht die Kuh mit ein. Die Muttertiere werden in den letzten Monaten vor der Geburt einer Blutuntersuchung unterzogen. Wird ein Mangel an Selen festgestellt, wird den Muttertieren ein Bolus verabreicht, der sie und somit auch die Kälber mit Kupfer, Kobalt und vor allem Selen versorgt. Es ist anzunehmen, dass eine bedarfsgerechte Versorgung der Mutterkuh mit Spuren- und Mengenelementen dazu führt, dass das Kalb über die Biestmilchversorgung direkt nach der Geburt besser mit Immunglobulinen versorgt und dadurch weniger anfällig für Krankheiten wird. Der Leiter des Betriebs D ist davon überzeugt, dass die Boli die Kälbergesundheit zusätzlich verbessert haben. Sowohl die Kühe als auch die Kälber sind nach der Geburt vitaler und widerstandsfähiger. Die Mehrkosten für die Boli-Gabe wurden mit 11,38 € je Kalb und Aufzuchtperiode angegeben.

Auch die Mineralstoffversorgung in der anschließenden Kälberhaltung wurde optimiert. In den Betrieben A, B, C und D wurden Mineral-Leckmassen und/oder Mineralsalzsteine eingesetzt, die der bedarfsdeckenden Mineralstoffversorgung der Kälber und darüber hinaus auch der Beschäftigung dienen.

Eine weitere wichtige Maßnahme zur Erhöhung der Tiergesundheit ist der Einsatz eines Refraktometers. Um eine Versorgung der Kälber mit qualitativ hochwertigem Kolostrum zu gewährleisten, wird in den Betrieben B und C mithilfe eines Refraktometers die Menge an Immunglobulinen in der Milch gemessen. Dieser Wert gibt Hinweise auf die Qualität der Biestmilch. Handling und Funktion sind laut Aussagen der Betriebsleiter sehr gut. Die Mehrkosten für das Refraktometer beliefen sich auf ca. 0,46 € je Kalb und Aufzuchtperiode. Zusätzlich zum Refraktometer wurden im Betrieb C so genannte "Milchbags" angeschafft, um hochwertiges Kolostrum einzufrieren und es so weiteren Kälbern zugänglich machen zu können.

Dieses Beispiel der Weiterentwicklung im Betrieb C zeigt, dass die Tierhalterinnen und Tierhalter selbst einer der wichtigsten Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Gruppenhaltung von Kälbern ohne gegenseitiges Besaugen sind: „Mein Blick wurde durch das Netzwerk besser geschult, das Kalb ist dadurch mehr im Fokus und das Thema gegenseitiges Besaugen kann aktiver behandelt werden.“

Da in der Milchviehhaltung in der Regel der Bezug zur Mutter und auch der Kontakt zu anderen Kälbern in den ersten Lebenswochen oft noch stark eingeschränkt ist, kann das bei Kälbern in der Folge zu Stress führen. Stress, ausgelöst durch fehlende Sozialkontakte, kann neben anderen Faktoren zu einer verminderten Tiergesundheit führen. Eine früh praktizierte Gruppenhaltung und damit der soziale Kontakt ab dem ersten Lebenstag kann diesen Stress mindern, gibt den Kälbern Sicherheit und trägt so zu einer tiergerechteren Kälberhaltung bei. Deshalb entschieden sich die Verantwortlichen in Betrieb A, C und E für verschiedene Varianten von Kälberdoppelboxen und Doppel-Iglus. Im Betrieb C sind die Kälber die ersten sieben Tage einzeln in offenen Kälberboxen und können sich sehen und riechen. Danach entfernt der Betriebsleiter die Mittelwand, sodass jeweils zwei Kuh- oder Bullenkälber zusammenstehen, sich kennenlernen und einen intensiven Sozialkontakt entwickeln können. Jedes Kalb hat ein persönliches Bezugstier und ist somit stressresistenter z. B. in Umstallungssituationen. Für die Kälberdoppelboxen wurden im Rahmen des Netzwerks Mehrkosten von 13,67 € je Kalb und Aufzuchtperiode ermittelt.

Als Präventionsmaßnahme zugunsten der Tiergesundheit gilt auch der Schutz des Kalbes vor Zugluft und Kälte. In den Betrieben B und D, in denen eine kuhgebundene Kälberaufzucht praktiziert wird, dient jeweils ein Kälberiglu als Kälbernest und bietet besonders in den Übergangsmonaten Schutz vor Zugluft. Nach Aussage der Betriebsleiter ist ein solches Iglu eine gute Investition und wird von den Kälbern sehr gut angenommen. Im Betrieb D entstanden für das Kälbernest Mehrkosten von 3,48 € je Kalb und Aufzuchtperiode.

Angeregt durch einen Fachvortrag auf einem Netzwerktreffen wurden in den Betrieben B und C Kälberdecken angeschafft, um die Kälber in den ersten zwei Wochen auch im Mutter-Kalb-Bereich vor Zugluft und Kälte zu schützen. Extreme Witterungseinflüsse rauben den Kälbern die Energie, die sie primär für die Entwicklung brauchen.

Auch auf der Weide wurden Maßnahmen umgesetzt, die die Tiergesundheit fördern. So wurde im Betrieb A neben der Weidetränke ein Weidezelt installiert, das den Aufzuchtkälbern als Witterungs- und Sonnenschutz dient. Die Tiere nehmen diesen Schutz sehr gut an, und auch der Betriebsleiter zeigt sich sehr zufrieden mit der Maßnahme. Er kann das Weidezelt auch beim Impfen der Tiere nutzen, da es ihnen bekannt ist und sie daher nicht in einer ungewohnten Umgebung behandelt werden müssen. Die Mehrkosten für den Witterungsschutz wurden mit 8,07 € je Kalb und Aufzuchtperiode angegeben. Darüber hinaus werden im Betrieb A in der Weidesaison bei den Aufzuchtkälbern Ohrclips zur Fliegenabwehr eingesetzt, da bei der Einstallung der Kälber nach der Weideperiode vermehrt Fliegenbefall zu beobachten war. Je Kalb und Aufzuchtperiode entstanden im Betrieb für die Ohrmarken Mehrkosten von 7,53 €. Nach Beobachtungen der Betriebsleiterfamilie ist ein geringeres Fliegenaufkommen in der Herde zu verzeichnen und der Fliegenbefall hat im Vergleich zu den Vorjahren deutlich abgenommen.

Ein für die Tiergesundheit wichtiger Punkt ist auch das Hygienemanagement. Dieses betrifft nicht nur den Stall, sondern auch die Tränke. Im Betrieb C kommen deswegen durchsichtige Eimer für die Eimertränke zum Einsatz, da sich in diesen, Milchreste von außen besser erkennen und auch reinigen lassen. Der Betriebsleiter ist überzeugt, dass ein gutes Management präventiv gegen Erkrankungen der Kälber wirkt. Über einen auf dem Betrieb entwickelten Hygieneplan konnte die Keimbelastung für die Kälber auch für die angewandte Gruppentränke und Nuckel minimiert werden.

Im Betrieb A, B, C und D wird Hygienekalk mit der Stroheinstreu vermischt. Multifaktorielle Erkrankungen wie Durchfall, die aufgrund umweltassoziierter Erreger auftreten können, wurden dadurch im Ergebnis stark reduziert. Laut den Verantwortlichen ist das Fell der Tiere glatter und sauberer und die Fliegenbelastung hat sichtbar abgenommen.


Fazit

Das Fazit der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter im Netzwerk ist, dass sich die Kälber aufgrund der betriebsindividuell durch das Tierschutz-Kompetenzzentrum beratenen Maßnahmen besser entwickelt haben, vitaler und widerstandsfähiger sind. Die Tiere sind entspannter in der Gruppe und wachsen schneller und gleichmäßiger heran. Dazu hat auch der regelmäßige Austausch über Erfolge oder Misserfolge der Maßnahmen auf den Netzwerktreffen und gegenseitigen Betriebsbesuchen beigetragen. Die Tierhalterinnen und Tierhalter haben in der Netzwerklaufzeit eine hohe Sensibilität gegenüber den Bedürfnissen der Kälber entwickelt, die den weiteren Weg der Betriebe nachhaltig beeinflusst hat.